Festakt zur 125-Jahrfeier des TSV Neckartenzlingen

am 15.06.2013

125 Jahre Vereinsgeschichte sind wahrlich ein Grund zu feiern. Der TSV Neckartenzlingen tat dies in der Melchiorfesthalle. Wie gut verankert der Verein in der Gemeinde ist, lässt sich schon an der Zahl der Gäste messen. Redebeiträge, Vorführungen, Gesangseinlagen - dies erforderte eine Moderation, die von Werner Kreußer, Mitglied des TSV-Vorstandes übernommen wurde. Er baute die Brücken zwischen den einzelnen Programmpunkten. So hieß er den Neckartenzlinger Bürgermeister Herbert Krüger willkommen, der ein Grußwort an die Vereinsmitglieder richtete. "Der TSV Neckartenzlingen ist eine der tragenden Säulen des Gemeinwesens in unserer Gemeinde", sagte Krüger. Er sicherte dem Verein zu, die Gemeinde werde ihn weiterhin nach Kräften unterstützen. Krüger ließ den Worten Taten folgen und überreichte Werner Kreußer 1500 Euro für die Vereinskasse. Zuerst hatten die Besucher ab 18:00 Uhr Gelegenheit, die Bilder-Ausstellung im Foyer zu besuchen. Die Musikkapelle "Sonnenklar" spielte von Beginn an zur Unterhaltung und lud später die Gäste noch zum Schwingen des Tanzbeins ein. Die bereits bekannte junge Sängerin Kelly Norton sang zwischen den Grußworten verschiedene songs, wie "you`ve got a friend" .


Die Sängerin Kelly Norton

Für weitere Bereicherung des Programms sorgte die Jugend und aktive Mannschaft des TB Neckarhausen mit einer sportlichen Einlage "im Keller isch dr Teifl los" unter Leitung von Christian Schmid. Für diese bewundernswerte sportliche Darbietung wurde den Turnern aus Neckarhausen mit großem Applaus gedankt. Das geschäftsführende Vorstandsmitglied Werner Kreußer begrüßte die Gäste mit den Worten: "Die TSV-Familie freut sich über die vielen Besucher, ein Beweis, dass die Arbeit der Vorstandschaft anerkannt wird." Dafür bedankte er sich bei allen Mitgliedern herzlich. Anschließend übernahm er die gesamte Moderation.

Bürgermeister Herbert Krüger gratulierte im Namen seiner Verwaltung und des Gemeinderats dem TSV Neckartenzlingen sehr herzlich zu seinem 125-jährigen Bestehen und meinte: "Repräsentanten, Mitglieder und Freunde dürfen mit Freude und Stolz auf eine erfolgreiche Geschichte ihres TSV zurückblicken. In der Gemeinde bilden eine Vielzahl von Vereinen tragende Säulen des Gemeinwesens. Davon ist der TSV Neckartenzlingen eine der Hauptsäulen". Dies sei schon seit 1888 so. Der TSV als einem der ältesten Vereine in unserer Gemeinde, habe sich von Beginn an besonders die sportliche Ertüchtigung seiner Mitglieder auf die Fahnen geschrieben. Weiter ging BM Krüger in seinem Grußwort kurz auf die sportliche Geschichte von Neckartenzlingen und die Einwohnerzahl ein.

 

Wörtlich sagte er: "Wir sind auf dem Weg, den Breitensport weiterzuführen." Er versicherte dem TSV, ihn nach Kräften zu unterstützen. Dazu wolle er heute mit dem Jubiläumsgeschenk von 1.500,- Euro beginnen.

Der Vorsitzende des Musikvereins und der örtlichen Vereine Werner Gut gratulierte dem TSV ebenfalls im Namen seiner örtlichen Vereine und Organisationen. Dass der TSV älter sei als die meisten anderen Vereine zeige, dass schon vor 125 Jahren dem Sport und dem Fitbleiben große Bedeutung beigemessen wurde. Der TSV sei im Ort und unter den Vereinen eine feste Größe. Sein vielfältiges Sport-Angebot trage wesentlich zum Freizeit- und Breitensport bei. Mit der Überreichung eins Kuverts brachte er seinen besonderen Dank zum Ausdruck.


Die geschäftsführenden Mitglieder des Vorstands Walter Baral sitzend rechts, Werner Kreußer stehend und Präsident des Schwäbisches Turnerbund Wolfgang Drexler.

Der Präsident des Schwäbischen Turnerbundes, Wolfgang Drexler, wollte das Jubiläum des TSV dazu nutzen, wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen. "Turn- und Sportvereine müssen als kompetente, qualitative und vielfältige Anbieter neu wahrgenommen werden", sagte Drexler. Die Aufforderung an die Vereine laute, sich jetzt für die Zukunft neu aufzustellen. Der Schwäbische Turnerbund stehe seinen Mitgliedsvereinen mit vielfältigen Dienstleistungs- und Beratungsangeboten zur Seite. Wie ernst es Drexler mit dieser Aufforderung meinte, zeigte er mit dem Jubiläumsgeschenk: zwei Gutscheine für eine Aus- und Fortbildung beim Schwäbischen Turnerbund.

Ebenfalls im Gepäck hatte Wolfgang Drexler das Walter-Kolb-Schild vom Deutschen Turnerbund, den Turngauen und den Landesturnverbänden als Geschenk zum Jubiläum des 125-jährigen Bestehens des Turn- und Sportvereins. Walter Kolb war der erste Vorsitzende des nach dem Zweiten Weltkriegs wiedergegründeten Deutschen Turnerbundes. Drexler gab als Geschenk jeweils 2 Gutscheine für eine Aus-/Fortbildung beim Schwäbischen Turnerbund (STB) und 2 Ehrenkarten für eine Veranstaltung in der Porsche-Halle.


Der TSV wurde vom Deutschen Turnerbund und seinen Landesturnverbänden zum 125-jährigen TSv-Jubiläum mit dem Walter Kolb-Schild ausgezeichnet. Unser Bild zeigt den geschäftsführenden Vorstandssprecher Werner Kreusser während der Überreichung durch Präsident Wolfgang Drexler.

Das geschäftsführende Vorstandsmitglied Walter Baral meinte als Hauptredner u.a., dass die Besucher im Saal mitfeiern. Er wolle keine Festrede halten, sondern versuchen, einen Rückblick aus seiner ganz persönlichen Sicht zu geben. Auch seien für ihn Zukunftsgedanken erlaubt. Vieles stehe in der Jubiläumsschrift, vieles mehr könnte noch drinstehen. Dann wäre dies noch aufwändiger, noch umfangreicher. Wäre diese Festschrift damit aber dann informativer und noch lesenswerter? Wir glauben: Nein! Er bedauerte, dass es keine Unterlagen vor 1945 mehr gibt. Weiter erinnerte er zunächst an die Bedeutung des Ehrenamtes und die Bereitschaft, sich zu engagieren. Schwierigkeiten habe es immer wieder gegeben, die Ehrenämter zu besetzen, denn einige gab es, die ihr Ehrenamt nur kurzfristig ausübten. Ein Dank an Ehrenamtsträger dürfe nicht vergessen werden. Zur Infrastruktur meinte er, diese sei für alle Schularten u. Sportvereine am Ort mit 2 Sporthallen, 2 Sportplätzen, 1 Schulsportstadion u. 5 Tennisplätzen zu wenig für eine Mittelzentrumsgemeinde. Vereine und Gemeinde, so W. Baral, müssten verstärkt zusammenarbeiten, um die anstehenden Probleme auch gemeinsam beseitigen zu können. Gleichzeitig erinnerte er an die Ansiedlung von Gastarbeitern, vor allem Griechen, die ihre sportliche Heimat im TSV gefunden haben. Die Industriealisierung begann bereits im Jahr 1880 als sich hier am Ort Fa. Melchior und 1885 Fa. Gminder ansiedelten. Gleichzeitig seien über 600 Arbeitsplätze seinerzeit geschaffen worden. Die Gemeinde zählte 1890 1300 Einwohner und heute leben in Neckartenzlingen 6300 Einwohner. In dieser Zeit sei die Gründung von einem Arbeiterverein, wie auch von Gesangverein und Turnverein vorgenommen worden.

Zum TSV heute meinte W. Baral, die Krise Ende der 90-er Jahre sei überwunden. Heute zähle der TSV ca. 900 Mitglieder und hat ein eigenes Vereinsheim, 2 Sportplätze, einen mit Flutlicht und das Tennisheim mit 5 Plätzen. Nachdem durch das Hochwasser vor wenigen Tagen und durch das von 1978 die Sportplätze im Heiligen Bronn überflutet waren, wurde der Sportbetrieb erschwert. Mit der neuen Führungsstruktur kann der TSV-Vorstand nun rascher handeln über kurze Entscheidungswege. Die einzelnen Sportabteilungen können in eigener Verantwortung handeln und bleiben trotzdem solidarisch im Hauptverein. Trotz Solidargemeinschaft sei der Vorstand in der Lage, die Abteilungen zu unterstützen. Über den Schulbereich erinnerte W. Baral zum Schluss an die neuen Schularten, die neuen Unterrichtspläne und die neuen Unterrichtszeiten. Er fragte sich allerdings: Wohin geht diese Entwicklung mit den Schülern? Müssen wir alles Neue mitmachen, oder uns auf das beschränken, was machbar und nachhaltig ist.

 


Unser Bild zeigt einen Ausschnitt der vereinseigenen
Theatergruppe der Handballabteilung, die
minutenlangen Beifall ernteten.

Mit dem Theaterstück der Handball-Theatergruppe nahte mit Sicherheit der Höhepunkt des Festakts. Es war extra zum 125-jährigen TSV-Jubiläum von den 8 Handballern Jochen Fauser, Jörg Walter, Ralf Breisch, Manfred Rausenberger, Franz Kirchner, Uwe Brändle, Jürgen Schöllhammer, Wolfgang Nistler und Jochen Baral (als einzigem Nicht-Handballer) erdacht und einstudiert worden. Seit mehr als 20 Jahren tritt diese Gruppe profimäßig auf mit ihren eigenen Theaterstücken. Grundsätzlich beinhalten diese Stücke immer auch Gemeindeprobleme, auf die aufmerksam gemacht wird. Auch ist die Gruppe bereits dafür bekannt, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Bei diesem Theaterstück handelte es sich um den 80. Geburtstag eines alten Handballkameraden, der in einem Altenheim gefeiert wurde.

 


Ausschnitt des Theaterstücks
"Seniorenresidenz Gamaschi"

Dabei hielten sie gemeinsam eine kritische und humorvolle Rückschau auf frühere Ereignisse in der langen Geschichte des TSV. Auch brisante örtliche Themen wurden aufs Korn genommen, wobei die Probleme mit der Richard-Hirschmann-Rundsporthalle, die dringend saniert werden muss, mit einflossen nebst den Instandhaltungskosten, die in die Millionen gehen. Hinzu kam auch der dringend notwendige Neubau einer Sporthalle zur Sprache, von der sich die Sportvereine zur Entlastung Nutzen versprechen. Zu guter Letzt fand die Theatergruppe für das Ende des Stücks gemeinsam mit BM Herbert Krüger eine - allerdings nicht ganz ernstzunehmende - Lösung für das dringende Problem.

Fotos von M. Hassan